01 Einführung
2 Begriffsklärung und Operationalisierung (3/3)
Wirkungen von Krisen auf die Struktur des Friedens
Wie können sich Krisen auf die Struktur des Friedens auswirken? Wir übernehmen sowohl eine handlungstheoretische als auch eine strukturelle Perspektive. Insgesamt sehen wir den Schwerpunkt der Betrachtung der abhängigen Variable „Struktur des Friedens“ auf der europäischen Ebene, während der Schwerpunkt der Analyse der unabhängigen Variable sowohl auf der nationalen als auch der europäischen Ebene liegt, je nachdem, wo die Krisenereignisse maßgeblich zu verorten sind.
Die Betrachtung nationaler politischer Systeme mit ihren Anspruchsgruppen im Rahmen des vorgestellten Entscheidungstheoretischen Modells auf der einen Seite betont die Entscheidungsprozesse, das systemtheoretische Modell mit einem Fokus auf die Akteurskonfigurationen und Beziehungsmuster auf der internationalen Ebene betont die Ausgestaltung der internationalen Beziehungen auf der anderen Seite.
Krisen können zu einer Veränderung der Beziehungsmuster zwischen den Akteuren führen bis hin zur Anwendung von Waffengewalt als ultimativem Mittel der Politik. Nichts Anderes modellieren wir aber mit dem Konzept der Struktur des Friedens im Sinne einer Vergemeinschaftung. Die Idee des systemischen Ansatzes fließt damit nicht in die Modellierung der unabhängigen Variable (Krise) , sondern in die Modellierung der abhängigen Variable (Frieden) ein.
Folglich können die nationalen politischen Systeme nicht aus der Betrachtung ausgeklammert werden. Die Krisenereignisse können schließlich sowohl auf der nationalen als auch auf der internationalen Ebene Widersprüche und Fehlfunktionen auslösen. Je nach Entscheidung der Akteure werden Krisen dann eher auf der nationalen, der internationalen Ebene oder beiden bearbeitet.
Uns interessiert in der strukturellen Perspektive vor allem die Frage, welchen Einfluss die von den Akteuren gewählten Handlungsalternativen auf die Interaktionsmuster zwischen den Akteuren haben.

Schimmelfennig [1] beschäftigen sich mit der Frage, wie innerhalb der EU erklärt werden kann, dass in manchen Politikfeldern alle Mitgliedsstaaten teilnehmen, während bestimmte Staaten in einigen Politikfeldern nicht teilnehmen und sogenannte Opt-outs oder Opt-ins verhandeln. Diesen Sachverhalt bezeichnen die Autoren als „differenzierte Integration“, die wir beispielsweise im Bereich der Gemeinschaftswährung Euro oder im Schengen-Raum bzgl. der Grenzkontrollen beobachten können. Die Autoren argumentieren in einem einfachen theoretischen Modell, dass differenzierte Integration abhängig ist vom Grad der Politisierung und der Interdependenz in einem Politikfeld. In Bereichen, die eine hohe (geringe) Interdependenz aufweisen, besteht hohe (geringe) politische Nachfrage nach Integration, während eine hohe Politisierung eher ein Hindernis für Integration darstellt. Formen der differenzierten Integration sind gerade in den Politikfeldern zu erwarten, in denen eine hohe Interdependenz auf einen hohen Politisierungsgrad trifft, d.h. es gibt bei vielen Staaten eine Nachfrage nach gemeinsamer Politik, gleichzeitig führt die Politisierung aber zu verschiedenen Lösungsvorstellungen, so dass manche Staaten nicht bereit sind, an den gemeinsamen Politiken teilzunehmen. Wir gehen folglich davon aus, dass es einen Unterschied darstellt, in welchem Politikfeld eine Krise auftritt (z.B. Sicherheit, Wirtschaft, Währung etc.).

Integration vs. Desintegration
- Die Maßnahmen können die positiven Interdependenzen zwischen den Staaten stärken oder schwächen.
- und hierbei die Symmet rie stärken oder schwächen, d.h. die Akteure interagieren mehr oder weniger auf Augenhöhe.
- Durch nationale Reformen kann die Ähnlichkeit (Homologie) von politischen, sozialen und ökonomischen Strukturen faktisch oder in der Wahrnehmung gestärkt oder geschwächt werden.
- Nationale Maßnahmen können netzwerkartige grenzüberschreitende Kontakte (Entropie) vereinfachen oder erschweren.
- Nationale Maßnahmen können die gemeinsamen Institutionen auf europäischer Ebene stärken oder schwächen.
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An der Erstellung dieses Lernmoduls beteiligte Personen:
Inhalte (inklusive der Graphiken) bereitgestellt durch:
Alexander Kobusch & Thomas Nielebock, Universität Tübingen: Dossier und Vortragsfolien zum Inhaltlichen Konzept des Standortübergreifenden Seminars im Sommersemester 2017: "Gefährdung des Friedens in Europa?"
Erstellung e-Learning-Moduls:
Maximilian Metz (Universität Freiburg)
Peer für das e-Learning Modul:
Viktor Chwolka (Uni Freiburg)
Quellen