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1 Überblick

Der Analyserahmen
Dieses Lernmodul beschäftigt sich mit den derzeitigen Krisenereignissen in Europa. Dabei werden viele sehr unterschiedliche Krisen miteinander verglichen, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben. Um all diese Krisenphänomene nebeneinander zu stellen gehen wir wie folgt vor:
Die Idee des Lernmoduls basiert auf der Annahme der friedensstiftenden Wirkung von Vergemeinschaftung. Dieses weite Verständnis des Friedensbegriffs orientiert sich an der Struktur des Friedens und wie diese Struktur geschaffen bzw. erhalten werden kann. In Bezug auf die Auswirkungen der gegenwärtigen Krisenereignisse auf den Frieden in Europa sehen wir zwei Fragen als zentral an:
  1. Worin liegt in den derzeitigen Krisenereignissen eine Gefährdung für den Frieden in Europa?
  2. Wie und durch welche Akteure kann diesen Gefährdungen begegnet werden?
Durch die enge Verzahnung der Konzepte Frieden und Vergemeinschaftung stellen wir das Konzept der Integration in den Mittelpunkt. Zur näheren (empirischen) Bestimmung des Begriff bauen wir auf ein von Dieter Senghaas vorgeschlagenes Komplexprogramm[1] auf, das in einer auf Integration zentrierten Sicht versucht herauszuarbeiten, welche Vorbedingungen für den Frieden gelten: Interdependenz, Symmetrie, Homologie, Entropie, gemeinsame Institutionen. In den verschiedenen Modulen wird im folgenden für jede der von uns identifizierten Krisen einzeln eine empirisch orientierte Analyse vorgestellt. Dort wird untersucht, inwiefern diese Elemente der Integration durch die verschiedenen Krisenereignisse gefährdet werden.
Dabei sehen wir den zentralen analytischen Ansatzpunkt in einer strukturellen Perspektive auf der internationalen/zwischenstaatlichen Ebene. Durch diese Setzung des Fokus wollen wir eine allzu einseitige Perspektive auf einzelne Staaten vermeiden und die systemischen Herausforderungen durch die Krisenereignisse hervorheben.
In unserer Analyse stellen die Krisen eine unabhängige Variable dar und der Frieden in Europa die entsprechende abhängige Variable. Abbildung 1 zeigt das Schema der Analyse:


Um diese Analyse sinnvoll durchführen zu können, werden in der Einführung die verwendeten Begriffe definiert und die zugehörigen Operationalisierungen hier vorgestellt:

Europa: Was genau meinen wir, wenn wir von Europa reden? Wenn wir von Europa sprechen denken wir weniger an ein geographisches Europa, sondern an die dort lebenden Menschen sowie die von ihnen gebildeten europäischen Insitutionen. Dabei ist wichtig klarzustellen, welche Institutionen gemeint sind. Wir gehen meist davon aus, dass es um das Europa der Europäischen Union geht. In einigen Fällen muss das allerdings noch einmal genauer betrachtet werden, so wäre der Ukraine-Konflikt Beispielsweise ein externer Konflikt wenn wir von der EU ausgehen, aber nicht, wenn wir als Grundlage das “Council of Europe“ oder gar die OSZE nehmen. In diesem Fall wird daraus ein interner Konflikt. Wenn in den folgenden Kapiteln von Europa die Rede ist gehen Sie also immer davon aus, dass hier die Europäische Union gemeint ist, solange nichts genaueres dabei steht.

Unser Krisenbegriff: Krisen werden im folgenden als unabhängige Variable verwendet. Was macht eine Krise aus und wie bewerten wir sie so, dass man sie vergleichen kann? Dazu wird hier der von Herrman[2] entworfene Situationswürfel vorgestellt.

Unser Friedensbegriff: Frieden werden wir im folgenden als abhängige Variable verwenden. Die Definition und Abgrenzung unseres weiten Friedensbegriff zu anderen Friedensbegriffen sowie eine Darstellung des Komplexprogramms von Senghaas folgt im weiteren Verlauf des Moduls.

Das Kapitel schließt dann mit einem Blick auf die Wirkungen von Krisen auf die Struktur des Friedens. Begriffsdefinitionen finden sie in dem bereitgestellten Glossar.
Quelle: Eigene Darstellung.
Ein Kapitel für jede Krise

Mithilfe dieses Analyserahmens gelingt es eine vielzahl sehr unterschiedlicher europäischer Krisen einzuordnen und miteinander zu vergleichen. Dies geschieht anhand der Materialien des diesem Lernmodul zugrunde liegenden Seminars. Für jede von uns identifizierte Krise gibt es ein eigenes Kapitel. Dazu gehört jeweils nach einer kurzen Einführung ein Dossier und eine Analyse. Das Dossier dient dazu die nötigen Fakten zusammenzutragen und einzuordnen. Hier finden Sie auch immer ein einführendes Video eines Experten zum jeweiligen Thema. In der darauf folgenden Analyse finden Sie dann eine Einordnung und Bewertung anhand der in diesem Kapitel vorgestellten Systematik.

Die Bedrohung der Rechtsstaatlichkeit

Die soziale Ungleichheit

Der Brexit

Die Euro-Krise

Der (Rechts-)Populismus

Die Migration

Der Ukraine-Konflikt

Das Verhältnis zu Russland und den USA


Abschließend werden die Krisen noch einmal im Überblick miteinander verglichen.

"Krisen in Europa" (Miriam Sorgenfrei, Universität Tübingen)
Quellen

[1] Senghaas, Dieter 2004: Zum irdischen Frieden. Erkenntnisse und Vermutungen, Frankfurt: Suhrkamp.
[2] Hermann, Charles F. 1973: Indikatoren internationaler politischer Krisen; in: Jänicke, Martin (Hg.): Herrschaft und Krise. Beiträge zur politikwissenschaftlichen Krisenforschung, Opladen: Westdeutscher Verlag (UTB), 44-63.


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